Artikel: Über den Alltag mit Zwillingen
 

Tinchenmanderinchen oder Alles hoch zwei

Über den Alltag mit Zwillingen

Oh, Gott, wir bekommen Zwillinge! Für viele Eltern kommt diese Botschaft aus heiterem Himmel und stellt erst einmal ihr gesamtes Leben auf den Kopf. Über den ersten Schock und die turbulente Anfangsphase bis hin zu einem entspannten Alltag als Zwillingsmutter berichtet Tina Ruthe, vielen besser bekannt über ihren Instagram-Blog “Tinchenmanderinchen”. 

Für mich war immer schon klar, ich möchte Mutter werden. Nach langem „Probieren“ und etlichen Arztterminen stand jedoch fest, dass wir ohne medizinische Hilfe keine Eltern werden können. Das Ende vom Lied – eine künstliche Befruchtung. Während der gesamten Kinderwunschzeit musste ich immer wieder darüber nachdenken, was wäre wenn? Wenn ich niemals Mutter werden kann. Der vierte Eingriff brachte dann endlich die freudige Botschaft. Schwanger! 

Bei der ersten Ultraschalluntersuchung stellte der Arzt wortwörtlich fest „Ups, da ist ja noch ein weiteres“. Ein riesiger Schock für mich. Denn der erste Gedanke war „erhöhtes Fehlgeburtenrisiko & Behinderung“ . Ich wollte nie Zwillinge. Ganz im Gegensatz zu all meinen Freundinnen. 

Nach einem kurzen Gespräch mit dem Arzt und ein paar Stunden später kam dann doch Freude  auf. Zwillinge! Das Warten hatte sich gelohnt. Hätte ich damals gewusst, wie toll das Leben als Zwillingsmutter ist, hätte ich keine Sekunde einen enttäuschten Gedanken gefasst. 

Tinchenmanderinchen Zwillinge

Alltag mit Zwillingen – alles hoch zwei

Natürlich ist das Leben mit Zwillingen in manchen Phasen anstrengender. Das fängt beim Stillen an und hört beim Windeln wechseln auf. Aber das Schöne an Zwillingen, beide haben relativ gleiche Interessen. Das Buch, was für Tochter Nr. 1 spannend und altersgerecht ist, interessiert in den meisten Fällen auch Tochter Nr. 2. Jetzt – wo die Mädels 3,5 Jahre sind, wird unheimlich viel zusammen gespielt. Eine Entlastung für mich. Denn so sehr ich meine Kinder liebe – 24/7 Memory und Playmobil spielen ist jetzt nicht mein Lieblingshobby. 

Aber klar, viele Kosten fallen doppelt an. Wo Einlingsmamas den Kinderwagen auch fürs nächste Kind nutzen können, brauche ich einen Zwillingswagen (der tatsächlich auch fast doppelt so teuer ist). Wir brauchten zwei Hochstühle, zwei Isofixstationen und in manchen Fällen auch leider das gleiche Spielzeug. Aber man muss es positiv sehen. Wir haben doppelt soviel abzugeben. Damit meine ich nicht meine Kinder ;)… Wir können einiges an Freunde und Familie verschenken und gleichzeitig trotzdem noch einen riesigen Flohmarktstand errichten. 

Geschwisterliebe – Ein Zwilling ist niemals allein

Geschwisterliebe haben wir total! Hätte ich selbst niemals so extrem gedacht, aber klar, die Mädels sind IMMER zusammen. Das ist natürlich auch uns geschuldet. Bisher haben wir noch keine Regelungen gemacht, die „Exklusivzeit“ versprechen. Das sollte unser nächstes Projekt werden. Ist eine der beiden krank, so bleiben beide aus der Kita raus. Taktisch clever von den Mädels, weil es bei Krankheit viel Sofazeit, Kuscheleinheiten, Bücherlesen und Knabbereien gibt. 

Aber auch im Alltag stelle ich fest, dass die Kinder aktuell sehr spärlich Kontakt mit anderen Kindern suchen – außer in der Kita. Auf dem Spielplatz zum Beispiel suchen sie sich keine fremden Kinder zum Spielen. Hier bleiben sie lieber in ihrer persönlichen Komfortzone und spielen zu zweit. Die Mädels sind tatsächlich eine Einheit. Toi toi toi – es gibt bisher wenig Streitereien untereinander. Vermutlich ändert sich das aber exakt in diesem Augenblick, ist ja immer so, wenn man Dinge laut ausspricht. 

Das abendliche Vorlesen – in jedem Arm ein Kind

Tina Ruthe Zwillinge Vorlesen

Bei uns herrscht große Bücherliebe! Was unsere Kinder nie zu viel haben können, das sind Bücher. Hier sagen wir auch selten „nein“, wenn ein tolles Buch in der Buchhandlung entdeckt wird.  

Schon früh haben wir angefangen, den Mädels zum Schlafen gehen vorzulesen. Ich kann behaupten, dass es in den letzten 2,5 Jahren keinen einzigen Abend gab, an dem nicht vorgelesen wurde. Wir achten bei der Auswahl aber nicht nur auf Inhalt und Text, sondern natürlich auch auf die Zeichnungen (mein Mann ist Cartoonist). Hier sind wir recht anspruchsvoll und wenn wir ehrlich sind, kaufen wir die Bücher nicht primär für unsere Kinder, sondern für uns.  

Die Mädels haben ein gemeinsames Hausbett. Mein Bruder hat es selbst gebaut – und so finden wir alle Platz darin. Einer liest vor und die Kinder liegen rechts und links und passen auf, dass Mama oder Papa auch ja nicht „aus Versehen“ eine Seite überspringen. Aktuell wollen die Kinder lieber vom Papa ins Bett gebracht werden, der lässt sich nämlich oft auf zwei Bücher hochhandeln.  

Autorin

Tina Ruthe

Tina Ruthe ist Autorin, Bloggerin und Mutter der Zwillinge Emmi und Lilli. Auf Instagram berichtet sie mit viel Humor und Offenheit aus ihrem Alltag als Zwillingsmama, was über 93.000 Menschen gefällt. Sie lebt mit ihrem #ehemannmitglatze (Cartoonist Ralph Ruthe) und den beiden Mädchen in Bielefeld. 
instagram.com/tinchenmanderinchen

Tina Ruthe Porträt

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