Artikel: Erziehungsratgeber
 

Gastbeitrag: Artgerecht aufwachsen – was Spurenlesen mit Büchern zu tun hat

Kennst du die „artgerecht“-Bücher von Nicola Schmidt? Hier schreibt die Bestseller-Autorin exklusiv für Leseliebe!

Die gute Nachricht gleich vorneweg: Es sind die kleinen Dinge, die für unsere Kinder den Unterschied machen. Ja, wir spüren: Unser Alltag ist oft nicht kindergerecht getaktet. Zu schnell, zu laut, zu viele Termine. Aber wir müssen nicht alles umkrempeln, sondern können mit kleinen Veränderungen unseren Alltag wieder näher an die Bedürfnisse unserer Familien bringen: Kontakt, Regulation, Orientierung. 

Artgerecht bedeutet: Kinder brauchen vor allem Zeit für Kontakt, sie brauchen unsere Nähe, jemanden, der für sie da ist und Raum für Bewegung und ihren kleinen Forschergeist. Ihr Gehirn ist nicht für Dauerstress gemacht, sondern dafür, in Ruhe ein Bilderbuch anzusehen, einen Gedanken zu fassen und vor sich hin zu reden, während sie sich die Schuhe anziehen. So können sie sich regulieren und wir können ihnen besser Orientierung geben. Wenn wir das verstehen, müssen wir weniger erziehen – und können mehr begleiten. 

Wir Erwachsenen sind oft ergebnisorientiert – Kinder sind prozessorientiert. Wir wollen, dass die Haare gekämmt, die Zähne geputzt, die Schuhe angezogen sind. Kinder wollen herausfinden, wie es geht, sie wollen uns etwas erzählen, gemeinsam die Zeit genießen. Wenn wir ihnen dafür passende Zeitfenster geben, läuft es für alle leichter.

1. Nix wie raus Spiele & Rituale für euren Alltag

Drei kleine Stellschrauben mit großer Wirkung

  1. Rituale statt „Mach jetzt bitte“ 
    Kinder kommen leichter zur Ruhe, wenn der Tag verlässlich endet und wir uns Zeit dafür nehmen, ihn gemeinsam abzuschließen. Wiederkehrende Rituale geben Sicherheit – besonders am Abend. Gemeinsames Lesen wirkt dabei wie ein Anker: Stimme, Nähe und vertraute Abläufe helfen dem Nervensystem, herunterzufahren. 
  2. Gefühle begleiten statt wegreden 
    Kinder lernen Emotionsregulation nicht durch viel reden, sondern durch Kontakt und Vorbilder. Bücher können dabei helfen: Wir lesen Geschichten vor und fragen: „Wie fühlt sich die Katze? Warum hat der kleine Drache das wohl gemacht?“ So lernen Kinder, sich in Gefühle und Gedanken anderer hinein zu versetzen und lernen neue Strategien kennen, mit ihnen umzugehen. Wir geben Kindern Worte für das, was sie selbst noch nicht ausdrücken können. 
  3. Verbindung im Alltag 
    Echte Verbindung entsteht nicht durch ständige Beschäftigung, sondern durch geteilte Aufmerksamkeit. Wir müssen nicht immer mit den Kindern spielen, sondern können sie in unseren Alltag einbinden. An manchen Tagen spielen wir vielleicht überhaupt nicht mit den Spielsachen, dafür aber mit der Wäsche, der Spülmaschine, während wir gemeinsam Taschen ausräumen oder Tisch decken.
Buch-Tipp für Familien
Spiele & Rituale für euren Alltag

Ein verspieltes Mitmachbuch für Familien, das das Leben leichter macht!

Findet heraus, wie Gemüse essen, Zähneputzen und Co. nicht nur ganz einfach funktionieren, sondern auch noch richtig Spaß bringen können! Dieses inspirierende Familienbuch liefert dir dafür viele kreative Ideen aus dem „artgerecht“-Projekt von Nicola Schmidt und sorgt so für mehr Leichtigkeit in eurem Alltag. 

Perfekt geeignet für Familien mit Kindern zwischen 3 und 6 Jahren (und ihre Geschwister).

Was Wolken mit Bilderbüchern zu tun haben

Es gibt im Gehirn keinen Bereich, der für „Lesen“ zuständig ist, anders als zum Beispiel fürs Sehen. Lesen ist eine Kombination aus vielen Fertigkeiten und kommt ursprünglich vom Spurenlesen unserer Vorfahren. Es beginnt, wenn wir mit unseren Kindern solange Wolken oder Steine ansehen, bis wir Gesichter entdecken. Muster zu sehen, ist eine wichtige Grundfertigkeit. Gemeinsam Bücher anzuschauen schult die Konzentration, Bindung und Entspannung. Gemeinsames Lesen bringt uns in Kontakt und entschleunigt uns – und ist damit ein perfekter Ausgangspunkt für ein artgerechtes Leben. Artgerecht heißt nämlich nicht perfekt sein. Es heißt, den Alltag so zu gestalten, dass unsere gemeinsame Zeit wieder Platz bekommt. Ob beim Kuscheln mit dem Bilderbuch oder dem gemeinsamen Tischdecken. 

In meinem Buch „Spiele & Rituale für euren Alltag“ zeige ich, wie genau das gelingen kann: Ideen, für die wir kein Bastelzeug oder Extra-Zeit brauchen, sondern einfach den Alltag zu unserem Spiel- und Kontaktraum machen können. 

Denn Kinder brauchen keine perfekten Eltern. 
Sie brauchen Erwachsene, die verstehen, wie sie gemeint sind.

Hast du schon einmal von dem „argerecht“-Projekt von Nicola Schmidt gehört? Hast du vielleicht sogar schon einen ihrer Erziehungsratgeber gelesen und Tipps ausprobiert? Was gefällt dir besonders an ihrem Konzept? Schreib uns einen Kommentar!

Autorin, Journalistin, Coachin & Gründerin

Nicola Schmidt

Nicola Schmidt ist Wissenschaftsjournalistin, Erziehungsratgeber-Autorin und Gründerin des „artgerecht“-Projekts. Ihre Bücher stürmen immer wieder die Bestsellerlisten und sind in bereits in viele Sprachen übersetzt. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre „artgerecht“-Ratgeber. In ihrem Konzept verbindet sie Erkenntnisse über die kindliche Entwicklung mit wertvollen Tipps zur Erziehung und den Themen Nachhaltigkeit und Ökologie. In Einzelcoachings und ihren „artgerecht“-Camps gibt sie ihr Wissen an Familien weiter. 

Nicola Schmidt, Autorin, Journalistin, Gründerin von artgerecht

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