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Gastbeitrag: Gemeinsam die Welt erforschen

Kinder sind von Natur aus neugierig. Gemeinsam ihrem Forscherdrang nachzugehen, ist auch für uns Erwachsenen ein großer Gewinn.

Forscher zu werden, war ein Kindheitstraum von mir. Einmal in die tiefen Meere tauchen, wie Jacques-Yves Cousteau mit seiner roten Mütze und dem wettergegerbten Gesicht, einmal eine versunkene Stadt entdecken wie Indiana Jones (Sorry, liebe ArchäologInnen für dieses Klischee), als erster Forscher die rätselhaften Hieroglyphen in einer Pyramide entziffern oder vielleicht die versteinerten Überreste eines echten Sauriers entdecken. Seit dem ersten Mal „Jurassic Park“ sehen, hege ich eine große Sympathie zu Alan Grant. Um selbst archäologische Entdeckungen zu machen, grub ich als Kind unzählige Löcher in den elterlichen Garten – leider erfolglos. Für die Sauriersuche überredete ich meine Eltern dann zu einem Urlaub mit Ausgrabungen in verschiedenen Steinbrüchen in Süddeutschland. Bei großer Hitze klopfte ich tagelang Steine und fand nicht mehr als ein paar versteinerte Schneckenhäuser. Aus der Traum von einem nach mir benannten Raubsaurier. Und meine Eltern hatten sich ihren Sommerurlaub sicherlich auch anders vorgestellt. Im Laufe der Zeit verblassten meine Forschungsambitionen. Spätestens auch an der Hochschule fehlte mir der akademische Ehrgeiz für eine Promotion, vielleicht auch der Mut für ein abenteuertaugliches Studienfach. Immerhin schreibe ich als Journalist über Wissenschaft und spreche mit Menschen, die Lebewesen aus der Tiefsee untersuchen oder Saurier erforschen. Mich faszinieren vor allem ihre große Neugier und Leidenschaft, mit der sie einer Sache auf den Grund gehen wollen. Und überhaupt, den größten aller Forscher habe ich ohnehin zu Hause und zwar meinen Sohn.

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Kinder entdecken die Welt jeden Tag neu

Für Kinder halten die Welt und der Alltag viele große Unbekannte bereit, die sie jeden Tag ein bisschen mehr entdecken und ein bisschen mehr verstehen. Ihre Neugier, ihre Wissbegierde kennt dabei kaum Grenzen. Uninteressante Dinge, voreingenommene Meinungen oder festgefahrene Haltungen scheint es für sie nicht zu geben. Eine Haltung, von der wir Großen viel lernen können. Nicht umsonst wird von „kindlicher Neugier“ als einer großen Tugend gesprochen und jeder ein wenig bewundert, der sie sich auch als Erwachsener erhalten hat – Christoph und Armin von der Sendung mit der Maus zum Beispiel oder Checker Tobi. Ich schreibe sicherlich nichts Neues und Überraschendes, wenn ich sage, dass wir den Wissensdrang unseres Nachwuchses fördern, aufgreifen und möglichst lange am Leben halten sollten. Das gelingt am besten, wenn wir gemeinsam mit unseren Kindern auf die Suche nach Antworten auf ihre Fragen an die Welt gehen. Meine Lieblingsanlaufstelle dafür sind natürlich Sachbücher. Hier kann man gemeinsam blättern, entdecken und gleich weitere Fragen stellen. Gleiches gilt für wertvolle Medienangebote wie die Sendung mit der Maus oder die Checker-Welt. Der große Vorteil: Hier werden oft Dinge erklärt, die wir als völlig alltäglich hinnehmen und nie hinterfragen. Wusstest du zum Beispiel, dass das Wasser in einer Autowaschanlage über mehrere Filteranlagen gesäubert und immer wiederverwertet wird? Oder dass Bäume rund um Bahnstrecken und Stromtrassen mit fliegenden Sägen beschnitten werden? Solche Inhalte erweitern eindeutig den Horizont von Klein und Groß.

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Erst Bagger, dann Dinos – Interessen aufgreifen, fördern, schubsen

Natürlich dürfen wir als Eltern gerne mehr machen, als „nur“ Fragen beantworten, und zwar Interessen aufgreifen und fördern. In seinem zweiten Lebensjahr brannte mein Sohn wie jedes Kind für Bagger, Polizei und Feuerwehrautos. Stundenlang standen wir also an nahe liegenden Baustellen und schauten den Bauarbeitern bei der Arbeit zu. Kinderlos hätte ich mir nie vorstellen können, wie oft ein Baggerfahrer vor immerhin sehr begeistertem Publikum arbeiten muss. Zuhause stapelten sich die Kinderbücher mit Fahrzeugen, wenig Text, vielen Bildern. Tausendmal gelesen waren sie manchmal eine Qual. Aber immerhin: Noch heute habe ich ein solides Grundwissen über unterschiedliche Baufahrzeuge, Beton-Decken gießen und die grundsätzliche Befehlsstruktur bei der Polizei und bei der Feuerwehr. Auch bei meinem Sohn blieb ein grundsätzliches Interesse für Einsatzfahrzeuge, aber sein Horizont erweiterte sich. Wir lasen plötzlich Bücher über Pferde, Fußball oder Gefühle – je nach Stimmung und Interesse schnell aus der Bücherei ausgeliehen. Gleichzeitig erkannte ich die Gelegenheit meine eigenen Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen und lenkte seine Aufmerksamkeit mit einem gezielten Schubs in Richtung Paläontologie.

Entdecken mit allen Sinnen

Ein bisschen egoistisch war das vielleicht, aber erstens habe ich so (noch) mehr Freude am Vorlesen der Bücher und zweitens stieß mein Schubs schnell auf viel Gegenliebe. Inzwischen erklärt mein Sohn jedem Elternteil auf dem Spielplatz problemlos und vor allem ungefragt den Unterschied zwischen prähistorischen Herbivoren und Carnivoren. Einschlägige Beispiele inklusive. So hatte der Therizinosaurus zwar sehr lange Krallen, war aber ein eher langsamer Pflanzenfresser. Auch die Lieblingsoma meines Sohnes kennt inzwischen alle Eigenschaften des Brontotheriums und des Smilodon. Aber natürlich lernen Kinder nicht nur aus Büchern oder lehrreichen Sendungen, sondern eben mit allen Sinnen. Deshalb fuhren wir im letzten Sommer in einen norddeutschen Saurierpark. Dort gab es nicht nur unzählige Saurier-Plastiken, sondern eben auch die Gelegenheit, die Hand in einen 100 Millionen Jahre alten Dino-Fußabdruck zu legen. Mit strahlenden Augen, fast ehrfürchtig streichelt mein Kind den Stein. Hier lief vor unvorstellbar langer Zeit wirklich ein Dino lang und hat seine Spuren hinterlassen. Fast schien es als würden die Dinosaurier endlich greifbar für ihn. Nicht mehr nur gezeichnete Wesen aus dem Kindersachbuch, sondern echte, wenn auch ausgestorbene Lebewesen.

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Wissensangebote schaffen und Erfahrungen machen

Genauso müssen sich „echte“ Forscher fühlen, wenn sie eine Theorie bewiesen haben, auf eine verborgene Stadt gestoßen sind oder endlich ein seltenes Tier in freier Wildbahn beobachten konnten. Doch natürlich bleibt die kindliche Neugier nicht auf Dinosaurier und Autos beschränkt. Für sie gibt in der Welt noch unendlich viel zu entdecken. Deshalb sollten wir unserem Nachwuchs möglichst viele Erfahrungen und Aha-Momente anbieten. Im Museum, im Wald, in der Bücherei, auf einem Bauernhof oder einem Planetarium. Wir gehen zum Beispiel regelmäßig in Zoos, Tierparks und Aquarien, schauen uns die Schäfer in der Heide an und waren sogar schon in einer archäologischen Ausstellung im Museum – zum Thema Gladiatoren. Ein bisschen verschroben, ein bisschen verstaubt, könnte man meinen. Doch mein Kind konnte dort selbst eine Gladiatoren-Rüstung anziehen und mit einem Holzschwert fuchteln. Und schwupps war ein neues Interesse geweckt. Nun kennt mein Sohn den Netzkämpfer Retiarius, der in der Regel gegen den Schwertkämpfer Secutor antrat. Darüber hält er jetzt leidenschaftliche Spielplatz–Vorträge. Ich stehe daneben, halb mit väterlichem Stolz über so viel Wissbegierde, halb mit Neid um seine Begeisterungsfähigkeit.

Wofür interessiert sich dein Kind besonders? Welche Kindersachbücher lest ihr am liebsten? Was würdet ihr gerne mal erforschen? Verrate es uns in den Kommentaren!

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