Artikel: Kinderbuchmacher im Interview: Ulf Blanck
 

Ulf Blanck über Kinderkrimis

Kinderbuchmacher im Interview

Der ??? Kids Autor spricht über Detektivgeschichten und gibt Tipps für Nachwuchs-Krimi-Autoren. Spannend!

Leseliebe: Herr Blanck, nach dem Abitur haben Sie erst einmal Architektur studiert. Wie sind Sie dann zu einem ‚Kinderbuchmacher‘ geworden?

Ulf Blanck: Natürlich wegen meiner Liebe zu Geschichten, Büchern und Erzählungen. Ein großer Impuls war aber sicherlich auch mein langes Ehrenamt bei Kinderferienfreizeiten. Hier wurden sehr viele Abenteuer in wundervoller Umgebung erlebt. Am meisten hat es mir dabei Spaß gemacht, Geschichten auszudenken, die wir dann mit den Kindern als Abenteuerreise umgesetzt haben.

Leseliebe: „Die drei ???“ gibt es schon seit den 1960er Jahren, den Ableger „Die drei ??? Kids“ mit Ihnen als Autor seit 1999. Welche Regeln gelten für Sie als Autor, wenn Sie sich ein neues Abenteuer ausdenken? Macht es das Schreiben schwerer oder leichter, dass viele Elemente feststehen und die Reihe so bekannt ist?

Ulf Blanck: Regeln gibt es in dem Sinne keine. Es gibt eine Art ‚Styleguide‘, in dem wir wiederkehrende Fragen beantwortet und Umsetzungen festgelegt haben. „Die drei ??? Kids“ ist eine Serie, bei der naturgegeben einiges feststeht. Charakter, Settings, Zeit, Umfang usw. Zum einen erleichtert und beschleunigt es die Arbeit. Auf der anderen Seite schränkt es ein, um den seriellen Charakter nicht umzustoßen.

Die drei Fragezeichen Kids

Leseliebe: Was macht eine gute Detektivgeschichte für Sie aus?

Ulf Blanck: Ich würde dies als Leser beantworten: Für mich ist es immer wichtig herauszufinden, wieso und weshalb ein Täter oder eine Täterin Dinge getan hat. Auch ein Krimineller muss einen glaubhaften und nachvollziehbaren Ansatz für seine Straftat haben. So beginne ich beim Schreiben in der Regel meine Geschichten von hinten – quasi aus Sicht des Täters. Beim Fall selbst gilt es die Balance zu halten. Die Lösung muss nachvollziehbar sein – dennoch darf sie sich nicht zu früh abzeichnen. Der Reiz an Krimis ist eben das Mitfiebern und Mitraten. 

Leseliebe: Warum sind gerade „Die drei ???“ und „Die drei ??? Kids“ Ihrer Meinung nach so erfolgreich? Was fasziniert kleine und große Leser an den drei Detektiven aus Rocky Beach?

Ulf Blanck: Die Frage kann man sehr lang und recht kurz beantworten. Die Kurzversion: „Die drei ??? Kids“ bieten alles, was ich als Kind selbst gemocht habe an Geschichten: ein spannendes Abenteuer an exotischen Plätzen, Spannung, Grusel, Witz und Überraschungen. Mit dabei sein bei drei Freunden und einer Freundschaft, die immer währt.

Leseliebe: Sie haben sich schon mehr als 100 Detektiv-Abenteuer für „Die drei ??? Kids“ ausgedacht. Gehen Ihnen denn nie die Ideen für spannende Fälle aus? Und wenn doch, wo bekommen Sie neue her?

Ulf Blanck: Nein, ich habe noch Ideen für weitere hundert Abenteuer. Fakt ist aber, dass die Geschichten Zeit erfordern. Und dies ist nicht nur die Zeit des Schreibens. Es ist die Zeit, Geschichten im Leben einzusammeln. Oft nur Details, verspielte Sätze, ganze Szenen, Charaktere, Orte, Bilder usw. Aus einem dunklen Keller heraus kann man keine bunten Welten erfinden, wenn man noch nie draußen war. Geschichten einsammeln ist wie bei mir zu Hause den Dachboden vollpacken. Alles kann man irgendwann einmal gebrauchen. Ich segle gern, bastele im Garten und bin viel unterwegs.

Ulf Blanck

Leseliebe: Was mögen Sie als Autor an der Reihe „Die drei ??? Kids“ besonders?

Ulf Blanck: Es gibt, wie schon beschrieben, viele schöne Facetten in der Reihe. Wenn ich eine herausheben sollte, dann ist es sicherlich die Freundschaft der drei Jungs. Mit Freunden spannende Abenteuer erleben und sich nie vorstellen zu können, dass man sich aus den Augen verliert. Dies gehört zu den prägenden Eindrücken aus meiner Kindheit.

Leseliebe: Haben Sie Tipps für kleine Nachwuchs-Krimi-Autoren? Worauf muss man achten, wenn man eine spannende Geschichte schreiben möchte?

Ulf Blanck: Ein ganz einfacher – aber auch der schwierigste Tipp: Schreibt nur, wenn ihr selbst Spaß habt an der Geschichte. Wie sollten denn Leser Spaß daran empfinden, wenn ihr es nicht habt? Erlebt die Geschichte zuvor in euren Köpfen. Und zwar so intensiv, dass ihr glaubt, selbst dabei gewesen zu sein. Dann schreibt sich die Geschichte fast von selbst … fast.

Leseliebe: Sie haben einen magischen Wunsch frei und dürfen drei Bücher bestimmen, die jedes Kind auf der Welt in seiner Kindheit liest. Abgesehen von Ihren eigenen, für welche Bücher entscheiden Sie sich?

Ulf Blanck:

„Pippi Langstrumpf“

„Karlsson vom Dach“

„Rasmus, Ponto und der Schwertschlucker“

Ulf Planck beim Segeln

Leseliebe: Welches Kinderbuch oder welche Lese-Situation hat in Ihrer eigenen Kindheit einen Eindruck hinterlassen, der bis heute nachwirkt und warum?

Ulf Blanck: Dann oute ich mich als Comic-Fan. Meine ersten und intensivsten Leseabenteuer waren „Tim & Struppi“. Hier bin ich tief eingetaucht und kannte irgendwann jeden Band fast auswendig. Später kamen natürlich sehr viele Buchabenteuer dazu. Aber man findet, wenn man „Tim und Struppi“ gut kennt, noch heute in meinen Geschichten Versatzstücke aus der Serie.

Leseliebe: Ergänzen Sie doch netterweise den folgenden Satz für uns: Leseliebe ist …

Ulf Blanck: … wenn man schneller aufisst, rennt, abwäscht und atmet … um schneller wieder zum angefangenen Buch greifen zu können.

 

(c) Titelbild & Porträt: Kosmos Verlag

Autor

Ulf Blanck

Ulf Blanck hat 1999 den allerersten Band der „drei ??? Kids“ geschrieben und gehört seitdem fest zum Autorenstamm der Reihe. Neben dem Schreiben spannender Kindergeschichten leitet er noch eine Werbeagentur für Radiowerbung, produziert Hörspiele und ist viel unterwegs, um Stoff für seine Geschichten einzusammeln.

Ulf Blanck Porträt

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