Artikel: Kinderbuchmacher Eric Mayer im Interview
 
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Eric Mayer über Wissbegier und Forscherlust

Wir haben den Wissensreporter über Wissensvermittlung für Kinder und seine tollsten Expeditionen ausgefragt. Aufregend!

Leseliebe: Lieber Eric Mayer, man kennt dich vor allem aus dem Fernsehen, zum Beispiel als Moderator der beliebten Kinder-Wissensendung PUR+ bei ZDF und KIKA. Wie bist du jetzt zu einem ‚Kinderbuchmacher‘ geworden?

Eric Mayer: Mein Wahlspruch für die Buchreihe lautet ja: „Wissen macht stark – und zwar im Kopf!“ Ich will Kinder schlauer machen, sie ermutigen, die Welt zu erkunden und sich eine Meinung zu ihrer Umwelt zu bilden. Das macht sie stark und fit für die Zukunft. Dazu muss man ihre Neugier herauskitzeln, sie aber auch zum Träumen, Lachen und Nachdenken bringen. Mit Büchern klappt das deswegen so toll, weil diese einen (im besten Fall) aufsaugen und nicht mehr loslassen. Und durch das aktive Lesen sind Leserinnen und Leser oft noch viel involvierter, als wenn sie sich am TV einfach nur berieseln lassen. Deswegen hatte ich so Lust, diesen Weg mal auszuprobieren. Herausgekommen sind meine ganz persönlichen Notizbücher, in denen auch mein Hund Caramelo vorkommt und in denen ich meine Gedanken und Gefühle zu den Themen teile, aufwendig illustriert und mit vielen Fotos. Ein kleiner Schatz, der gut unters Kopfkissen passt …

Leseliebe: Was macht ein gutes Kinderbuch für dich aus?

Eric Mayer: Es muss einen irgendwo in der Magengegend packen und nicht mehr loslassen. In „Eric erforscht …“ spreche ich oft vom Wissenskribbeln, das ich im Bauch bekomme, wenn ich etwas herausfinden will. Und ich glaube, so ein aufregendes, aufwühlendes Gefühl muss auch ein gutes Buch auslösen. Wenn man da analytisch rangeht, würde man vermutlich Begriffe wie Emotionalität, gute Storyline, Humor, spannende Ästhetik, Identifikationsfiguren und so weiter benutzen. Ich fasse das mal zusammen und sage: Es muss kribbeln!

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Eric Mayer mit Hund Caramelo

Leseliebe: Für das Wissensmagazin PUR+ hast du als „Stuntman des Wissens“ weltweit unglaubliche Dinge erforscht und erkundet. Du bist mit Haien getaucht, hast Schwerelosigkeit ausprobiert, ein Krokodil eingefangen und vieles andere, was die meisten Menschen niemals erleben werden. Ist dieses Erzählen und Zeigen des hautnahen Ausprobierens für dich der Schlüssel, um Wissen für Kinder spannend zu machen?

Eric Mayer: Es ist zumindest ein sehr vielversprechender Weg. Durch das Erleben von Wissen dockt man emotional schneller an, die Aufmerksamkeit erhöht sich und das Hirn speichert Infos besser ab. Ich kann einfach nur sagen: „Unser Körper ist für extreme Kälte nicht gemacht.“ Oder aber ich gehe in eine Kältekammer und zeige danach mit der Infrarotkamera, wie schnell meine Arme und Beine ausgekühlt sind. Das ist ein starkes Bild mit einem WOW-Effekt. So macht Lernen Spaß und löst etwas in einem aus. Das passt nicht zu allen Themen, aber im Kern finde ich: Wenn vermitteltes Wissen einen irgendwie berührt, dann ist das sehr vielversprechend!

Leseliebe: Wenn du auf alle deine bisherigen Entdeckungsreisen zurückblickst: Welches deiner Erlebnisse hat deinen Blick auf die Welt nachhaltig verändert? Welches hat dich die meiste Überwindung gekostet? Und welches hat dir die größten Glücksgefühle beschert? Hast du Beispiele für uns?

Eric Mayer: Nachhaltig verändert haben mich zum Beispiel die Gespräche mit den Näherinnen in Indien. Danach habe ich zu Hause in meinen Kleiderschrank geschaut und mir erst mal bewusst gemacht, dass hinter jedem Teil ein Mensch steht, der das für mich produziert hat – oft unter nicht guten Bedingungen.

Überwindung hat mich, und jetzt bitte nicht lachen, der Sprung vom 5-Meter-Turm gekostet, als ich die perfekte Arschbombe schaffen wollte. Ich stand da oben, und plötzlich hat voll meine Höhenangst durchgeschlagen, die ich eigentlich ganz gut im Griff habe, aber die sich eben manchmal meldet. Ich dachte: „Das sollen 5 Meter sein? Fühlt sich an wie 50!“

Richtig glücklich machen mich vor allem die Sendungen mit Tieren und in der Natur. Nachdem ich mit dem Esel Ludwig zwei Tage eine Wanderung durch den Wald unternommen hatte, bin ich total beseelt nach Hause gefahren.

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Eric Mayer

Leseliebe: In einem Interview plädierst du dafür, dass Erwachsene Kindern die Lust auf Wissen vermitteln. Hast du Tipps für Eltern, die in einem Alltag ohne waghalsige Expeditionen umsetzbar sind?

Eric Mayer: So Tipps von außen kommen ja immer sehr klug daher, aber oft wissen Eltern am allerbestem, was bei ihren Kindern ganz individuell gut funktioniert und Lust auf Lernen macht. Meine Erfahrung ist, auch gerade in der Pandemiezeit, dass Familien da total kreativ werden. Ein guter Anfang ist auf jeden Fall, an den Interessen der Kinder anzudocken und sie von dort elegant weiterzuleiten. Spielt ein Kind gerne Schlagzeug? Dann vielleicht mal über Schall oder das Gehör informieren. Hat man eine/n ZockerIn zu Hause? Dann zusammen rausfinden, wie Programmieren eigentlich funktioniert und was die Wissenschaft über die Hirnfunktionen beim Spielen weiß. Und wenn es die Möglichkeit gibt, zu einer Frage ein kleines Erlebnis zu schaffen, hilft das in jedem Fall auch.

Leseliebe: Deine Wissensbücher „Eric erforscht …“ unterscheiden sich deutlich vom Standard-Sachbuch: Du präsentierst zwar auch sehr, sehr viele Fakten, aber vor allem erzählst du die spannenden Geschichten deiner eigenen Wissensreisen, sehr offen und persönlich. Welche Idee steckt hinter diesem Konzept?

Eric Mayer: Mir war es vor allem wichtig zu zeigen, wie man eigentlich an Wissen kommt, also wie so ein Erkenntnisweg aussehen kann, und auch was das mit einem macht. Oft wird Wissen, werden Fakten ja als trockenes und langweiliges „Muss-man-halt-durch“ dargestellt. Aber ich sag immer: Gutes, spannendes Wissen geht nicht nur in den Kopf, sondern ins Herz!  Es macht einen reicher. Daher berichte ich in dem Buch eben auch davon, was mir so im Kopf rumschwirrt, wenn ich die bedrohten Geparde in Afrika sehe, oder warum mich das Interview mit Astronaut Alex Gerst so glücklich gemacht hat. Das hat zwar alles mit Erkenntnisgewinn zu tun, aber es berührt mich eben auch. Ich will zeigen, dass sich das nicht ausschließt.

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Kinderbuchmacher Eric Mayer

Leseliebe: Begleitend zu deinen Büchern gibt es auch noch einen Podcast mit Interviews. Was ist dir an diesem zusätzlichen Audio-Feature wichtig?

Eric Mayer: Als Kind habe ich Hörspiele geliebt und auch gerne längeren Radiointerviews gelauscht. Da konnte ich mich ganz wunderbar drin verlieren. Vermutlich war Radio daher auch meine erste berufliche Station nach dem Abi. Ich finde es einfach wahnsinnig toll, nur über die Stimme eine Welt in den Köpfen der Hörerinnen und Hörer entstehen zu lassen. Deswegen wollte ich zusätzlich zu den Büchern unbedingt auch Podcasts machen. Darin spreche ich mit spannenden Wissenschaftlerinnen, Tierexperten und sogar zwei Astronauten. Die Episoden sind sowas wie Hybride aus Hörspiel und Interviewpodcast, und das Produzieren hat einfach nur mega Spaß gemacht!

Leseliebe: Welches Buch oder welche Lese-Situation hat in deiner eigenen Kindheit einen Eindruck hinterlassen, der bis heute nachwirkt und warum?

Eric Mayer: Ich erinnere mich noch gut daran, dass mein Vater mir immer mal wieder das Mickey-Maus-Heftchen aus der Hand genommen hat und einfach anfing, mir daraus vorzulesen. Klar gab es auch immer wieder Vorlesemomente aus „echten“ Kinderbüchern, aber ich glaube die Comic-Momente sind mir so im Gedächtnis geblieben, weil ich dabei das Gefühl hatte, mein Vater nimmt mich mit meinem Lieblingsheftchen total ernst. Das war ein wahnsinnig gutes Gefühl, dass er mich da in „meiner“ Lesewelt besucht und mitgemacht hat. Da habe ich mich toll gefühlt – groß und unbesiegbar!

Leseliebe: Du hast einen magischen Wunsch frei und darfst drei Geschichten bestimmen, die jedes Kind auf der Welt in seiner Kindheit liest, oder – da du ja auch Theater-/Film-/Medienwissenschaften studiert hast – auf der Bühne oder der Kinoleinwand anschaut. Für welche Geschichten entscheidest du dich?

Eric Mayer:

„Oh wie schön ist Panama“ von Janosch: Zum Träumen.

„Krabat“ von Otfried Preußler: Zum ein bisschen Gruseln.

Und natürlich meine „Eric erforscht …“ Bücher: Zum schlauer werden ;-)

Leseliebe: Ergänze doch netterweise den folgenden Satz für uns: Leseliebe ist …

… der Moment, in dem ich nur mit einem Buch in der Hand glücklicher bin als mit 100 Tafeln Schokolade – und das will was heißen!

 

(c) für das Titelbild "Lesung am 28.10.20" t&w

Reporter, Moderator & Autor

Eric Mayer

Nach seinem Studium der Amerikanistik und der Theater-, Medien- und Filmwissenschaft landete Eric zuerst als Moderator beim Radio. Von da aus gings als Reporter zum Fernsehen, wo er dann für Sendungen wie logo, PUR+ oder das auslandsjournal unterwegs war. Dazu hat er Bühnenshows zu Wissensthemen für Kinder veranstaltet und nun schreibt er zur Freude von Leseliebe auch noch Kindersachbücher. Hier ist er noch einmal mit seinem Wanderkameraden Esel Ludwig zu sehen.

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Wissensreporter Eric Mayer mit Esel Ludwig auf Tour

Experimente für Kinder

Blumen färben mit ZDF-Reporter Eric Mayer

Eric erforscht

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