Artikel: 2-10 Jahre
 
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Wieso, weshalb, warum Kinder Fragen stellen

Lustige Fragen, interessante Fragen, nervige Fragen – die Warum Phase bei Kindern und Tipps für schlaue Antworten.

Irgendwann zwischen Kleinkind- und Kindergartenalter, so etwa zwischen zwei und vier Jahren, explodiert die kindliche Neugier auf die Welt. Dann beginnt die Zeit der vielen, vielen W-Fragen. Warum ist Eis kalt? Wieso ist der Himmel blau? Warum hat Oma so viele Falten? Zugegeben: Besonders lange Frageketten, bei denen jede deiner Antworten eine neue Frage nach sich zieht, können manchmal ziemlich anstrengend sein. Und peinlich, wenn indiskrete Fragen laut und in der Öffentlichkeit gestellt werden (Wieso ist der Mann so dick?). In erster Linie sind die Fragen aber doch einfach nur toll, oder? Sie sind der Beginn einer ganz neuen Art von Austausch, von langen Gesprächen, von der Möglichkeit, dein Wissen und deine Erfahrungen an dein Kind weiterzugeben. Und sie bieten die Chance, durch die oft ungewöhnlichen Fragen mal wieder inne zu halten, selbst nachzudenken und die Welt noch einmal durch die Augen eines Kindes entdecken zu dürfen.

Fragen über Fragen – was steckt hinter der kindlichen Neugier?

Neugier ist der Wunsch, Unbekanntes zu erkunden, zu erforschen, zu verstehen – mit anderen Worten: das Bedürfnis zu lernen. Studien zeigen, dass diese Neugier angeboren ist. Sie ist der zentrale Motor, der Entwicklung vorantreibt und äußert sich sprachlich vor allem darin, dass Fragen gestellt werden.

Gleichzeitig kann es auch verwirrend und beängstigend sein, wenn Kinder beginnen, die riesige Welt jenseits des eigenen Hier und Jetzt zu entdecken. Dann können die vielen Kinderfragen auch einem Bedürfnis nach Sicherheit entspringen. Die Antworten sollen das Unbekannte erklären und es so zu einem Teil der vertrauten Welt machen, in der sich das Kind sicher und gebunden fühlen kann. Stellt dein Kind immer wieder dieselben Fragen? Dann deutet das auf einen besonders großen Bedarf hin, sich der Verlässlichkeit seiner Lebenswelt zu versichern. Oder aber dein Kind hat die Antwort bisher einfach noch nicht richtig verstanden. Dann nimm dir noch einmal etwas mehr Zeit, um die Frage in aller Ruhe zu beantworten.

Manchmal können Kinderfragen allerdings auch ohne wirkliches Interesse an der Antwort gestellt werden. Dann geht es nur ums Fragen an sich, darum die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen oder darum, taktisch von etwas abzulenken oder es hinauszuzögern.

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Wissbegier fördern – darauf kommt’s an

Auch wenn Neugier angeboren ist, kann man bei Kindern ganz unterschiedliche Level an Wissbegier beobachten. Dabei bietet das aktive Erkunden und Erforschen die optimale Grundlage für die geistige Entwicklung, auch später im schulischen Zusammenhang. Deswegen ist es sinnvoll, die kindliche Neugier so gut wie möglich zu fördern und zu unterstützen. Wir haben für dich dazu zahlreiche Studien durchforstet und die besten Tipps herausgesucht:

  • Eine sichere Bindung zu den Bezugspersonen ist die Voraussetzung, um offen für das Erkunden der Welt zu sein. Daher achte erstens auf einen liebevollen, warmen Umgang, vermittle das Gefühl von Sicherheit und beruhige dein Kind bei Angst und Aufregung. Zweitens rege dein Kind zum Spielen und Entdecken an und gebe dabei nach Bedarf Unterstützung und Hinweise.
  • Wenn sich dein Kind mit einem Problem befasst, gib ihm so viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich. Denn Selbständigkeit ist ein bedeutsamer Punkt, wenn es um die Entwicklung von Forscherlust und die Qualität der Forscherleistungen geht. Hilf deinem Kind nur, wenn es selbst nicht weiterkommt, idealerweise durch das Anbieten verschiedener Möglichkeiten. Rege es zum Perspektivwechsel an und fordere es heraus, ohne es zu überfordern oder zu unterfordern. Auch Lob und Ermutigung wirken sich hier positiv aus.
  • Biete deinem Kind Zugang zu Wissen und gestalte seine Umgebung möglichst anregend. Sinnvoll ist es, aktuelle Interessen deines Kindes als Ausgangspunkt zu nehmen. Ebenso können spannende Angebote aber auch ganz neue Interessen wecken. Achte dabei auf Freiräume und die Möglichkeit zum Ausprobieren. Wir von Leseliebe empfehlen natürlich besonders gut umgesetzte Wissensbücher zum Forschen und Experimentieren, oder Buchtipps zu bestimmten Themen, die dein Kind gerade beschäftigen.
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Antworten, nicht antworten, wie antworten – Tipps für Eltern

Zusammenhänge verstehen, Wissen aneignen – die Warum Phase ist eine Art vorschulisches Lernen. Das gelingt umso besser, wenn die Antworten auf all die Fragen in wertschätzender, individuell kindgerechter Form und offen für einen Dialog beantwortet werden.

  • Wenn möglich, beantworte die Kinderfragen durch gemeinsames Erforschen oder durch Experimente (Link), anstatt deinem Kind bereits die fertige Antwort zu liefern.
  • Halte die Antwort generell kurz. Lange Vorträge ermüden die kindliche Neugier und können das erwachende Interesse für eine Sache regelrecht im Keim ersticken. Lass dein Kind entscheiden, wie viel und wie genau es alles wissen will und beantworte immer nur gezielt die gestellte Frage, ohne langatmig abzuschweifen. Wenn es noch mehr wissen will, wird es weitere Fragen stellen.
  • Um einen Austausch und das eigene Nachdenken deines Kindes anzuregen, kannst du auch Gegenfragen stellen: Was denkst du denn, warum das so ist? Was interessiert dich daran? Und wenn dein Kind dich mit Fragen regelrecht bombardiert, bremse es, indem du fragst, welche der Fragen es am wichtigsten findet.
  • Wenn du etwas nicht weißt, gib es zu und suche gemeinsam mit deinem Kind die Antwort. Besonders empfehlenswert sind dafür Wissensbücher für Kinder, statt des unübersichtlichen und mit viel ungeprüftem Wissen vollgestopften Internets.
  • Wenn du das Gefühl hast, dein Kind stellt dir nur taktische Fragen ohne wirkliches Interesse, gib die Fragen einfach zurück: Was glaubst denn du?
  • Passt der Fragen-Marathon deines Kindes gerade gar nicht ins Konzept, weil du dich auf etwas anderes konzentrieren musst oder du gerade mit jemand anders redest, verschiebe die Beantwortung: Das sind alles super interessante Fragen. Kannst du sie dir bitte merken, damit wir sie heute Nachmittag gemeinsam beantworten können? Das funktioniert allerdings nur dann, wenn dein Kind weiß, dass du es dann auch wirklich machst.

Jetzt sind wir mal neugierig: Was sind die schönsten, lustigsten, ungewöhnlichsten W-Fragen, die dein Kind dir bisher gestellt hat? Und wie hast du darauf geantwortet? Schreib uns gerne einen Kommentar!

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