Artikel: Kinderbuchmacher im Interview: Charlotte Habersack
 

Charlotte Habersack über Magie im Kinderbuch

Kinderbuchmacher im Interview

Wir haben die Bestsellerautorin von "Pippa Pepperkorn" und "Bitte nicht öffnen" für euch ausgefragt! It's magic ...

Leseliebe: Frau Habersack, wie sind Sie eigentlich zu einer ‚Kinderbuchmacherin‘ geworden?

Charlotte Habersack: Bereits im zarten Alter von sieben Jahren habe ich mein erstes Buch geschrieben: „Raudi, der alte Hund“. Danach habe ich mich an die Schreibmaschine meiner Mutter gesetzt und immer weitergetippt. Aber dass man daraus einen Beruf machen könnte, hätte ich mir im Leben nie zugetraut. Auf Umwegen bin ich aber dann doch Autorin geworden: Erst habe ich als Kinoredakteurin Kinderfilme fürs Fernsehen besprochen, schließlich kleine Sketche für dieselbe Sendung geschrieben und schließlich ein ganzes Buch für den Schneiderbuch-Verlag: „Pauls Piratenferien“.

Leseliebe: Was macht ein gutes Kinderbuch für Sie aus?

Charlotte Habersack: Ein gutes Kinderbuch bietet das Gleiche wie jedes gute Buch: Es macht die LeserInnen empathischer, indem es ihnen erlaubt, in andere Figuren zu schlüpfen und deren Sichtweisen kennenzulernen. Es macht sie nachdenklicher, indem es Fragen aufwirft, anstatt welche zu beantworten. Und es unterhält dabei gut. Einziger Unterschied: Ein Kinderbuch muss sowohl Eltern als auch Kindern gefallen.

Pippa Pepperkorn

Leseliebe: Viele Ihrer Kinderbücher spielen in der normalen Wirklichkeit, zum Beispiel „Pippa Pepperkorn“ oder „Echte Helden“. In Ihrer Buchreihe „Bitte nicht öffnen“ wird es dann mit schwarzen Zaubertränen, lebendigen Spielzeugen und wahnwitzigen Wetterphänomenen ziemlich magisch. Warum auf einmal Magie?

Charlotte Habersack: Eigentlich finde ich die reale Welt auch schon ziemlich magisch. Speziell die Welt der Kinder und ihre Sicht darauf. Denken Sie an Pippa Pepperkorn, die mit ihren verrückten Lösungsansätzen und Ideen alle glücklich macht. Aber bei „Bitte nicht öffnen“ durfte ich noch durchgeknallter werden. Das hat mir totalen Spaß gemacht.

Leseliebe: Geheimnisvolle, absurd adressierte Pakete, gestohlenes Spielzeug, das wächst und lebendig wird und Wetter, das komplett verrücktspielt – wie sind Sie auf diese ungewöhnliche Geschichte gekommen?

Charlotte Habersack: Ausnahmsweise stand hier mal am Anfang die Idee für das Cover. Ich wollte ein Buch so gestalten, dass es aussieht wie ein Päckchen und „Bitte nicht öffnen“ draufschreiben. Ich war mir sicher, dass dann jedes Kind das Buch eben doch öffnen will - und so der Anfang zum Lesen gemacht ist. Dazu habe ich mir eine spannende Geschichte ausgedacht, in der genau dieses Päckchen vorkommt.

Bitte nicht öffnen Bissig Vorsatz

Leseliebe: Hinter den magischen Phänomenen in „Bitte nicht öffnen“ steckt ein mysteriöser und auch etwas gruseliger Spielzeugdieb, den die drei Freunde Nemo, Oda und Fred zu fassen versuchen. Auf wie viele Bände dürfen wir uns noch freuen, bis es zur spektakulären Auflösung kommt?

Charlotte Habersack: Darüber diskutieren der Verlag und ich gerade. Die Kinder wollen immer noch ein Päckchen und noch eins und schicken mir die tollsten Vorschläge, was im nächsten drin sein könnte. Zum Beispiel eine Krake, die aus ihren Saugnäpfen Desinfektionsmittel versprüht. Der 6. Band, der 2021 rauskommt, ist schon geschrieben. Fréderic Bertrand zeichnet im Moment die Bilder dazu. Ich möchte meine LeserInnen aber nicht zu lange auf die Folterbank spannen und würde gerne im 7. spätestens im 8. Band auflösen, könnte mir aber vorstellen, eine Art „zweite Staffel“ folgen zu lassen.

Leseliebe: Neben den phantastischen Ereignissen mit krimimäßigem Spannungsfaktor und sehr lebensnahen Figuren sind die Bücher auch unglaublich witzig. Ist diese Erfolgskombi für Kinderbücher (Spannung + Humor + Authentizität) das Ergebnis sorgfältiger Planung oder schreiben Sie einfach drauf los?

Charlotte Habersack: Danke, das freut mich sehr! Nun, meine oberste Prämisse beim Schreiben ist: Ich will mich selbst nicht langweilen. Ich habe ja noch viel länger und intensiver als die LeserInnen mit dem Text und den Figuren zu tun, also sollten sie schon sympathisch und nicht zu eindimensional sein. Auch ich will ja Spaß haben. Also plane ich den Plot und schreibe dann einfach drauf los. Alles, was langweilig ist, fliegt wieder raus.

Leseliebe: Stellen Sie sich vor, Magic – das Einhorn aus „Bitte nicht öffnen 5“ – würde auch Ihnen einen Wunsch erfüllen. Was würden Sie sich wünschen?

Charlotte Habersack: Lieber nichts. Leider erfüllt Magic ja nur materielle Wünsche und alles, was er herbeiwünscht, fehlt plötzlich jemand anderem. Wie es im Leben eben so ist: Wenn ich etwas kostenlos oder besonders billig bekomme, sollte ich mir schon Gedanken darüber machen, ob nicht jemand anderes dafür bezahlt hat.

Bitte nicht öffnen Magisch Innenseite Einhorn mit Leiterwagen

Leseliebe: Und wenn Sie sich drei Bücher aussuchen dürften, die jedes Kind auf der Welt in seiner Kindheit liest? Abgesehen von Ihren eigenen, für welche Bücher würden Sie sich entscheiden?

Charlotte Habersack:

„Die Märchen aus 1001 Nacht“ für die Magie

„Der beste Hund der Welt“ von Sharon Creech für die Poesie

„Hilfe, die Herdmanns kommen“ von Barbara Robinson für die Anarchie

Leseliebe: Welches Kinderbuch oder welche Lese-Situation hat in Ihrer eigenen Kindheit einen Eindruck hinterlassen, der bis heute nachwirkt und warum?

Charlotte Habersack: Eines meiner ersten Bücher war „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson. Dass Bücher so etwas können: Einen aus dem Lesesessel heraus in ein spannendes Piratenabenteuer entführen, das hat mich nachhaltig geprägt.

Leseliebe: Ergänzen Sie doch netterweise den folgenden Satz für uns: Leseliebe ist …

Charlotte Habersack: … Neugier aufs Leben

Charlotte Habersack

Schon mit sieben Jahren schrieb sie ihr erstes Buch und tippte danach fleißig weiter auf der Schreibmaschine ihrer Mutter. Später studierte sie Germanistik, arbeitete als Kinoredakteurin und machte das Geschichtenerfinden schließlich sehr erfolgreich zu ihrem Beruf. Heute ist sie bekannt als Autorin von schlauen Kinderbüchern und witzig-fantasievollen Buchreihen wie "Pippa Pepperkorn" oder "Bitte nicht öffnen".

Kinderbuchmacherin Charlotte Habersack

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