Artikel: Kinderbuchmacher im Interview: Constanze von Kitzing
 

Constanze von Kitzing über das Thema Vielfalt

Kinderbuchmacher im Interview

Mit "Ich bin anders als du" hat Constanze von Kitzing ein wunderbares Pappbilderbuch zum Thema Vielfalt veröffentlicht. Leseliebe hat nachgefragt!

Buchtrailer "Ich bin anders als du"

Leseliebe-Tipp

Leseliebe: Frau von Kitzing, wie sind Sie eigentlich zu einer "Kinderbuchmacherin" geworden?

Constanze von Kitzing: Ich war immer eines dieser Kinder, das lieber drinnen saß und gemalt oder andere beim Spielen beobachtet hat. Ich habe immer Bücher und Geschichten geliebt und weiß noch, dass ich mit sechs Jahren dachte, dass ich große Lust habe selbst mal ein Kinderbuch zu machen. Kinderbücher waren schon immer meine große Liebe.

Leseliebe: Was macht ein gutes Kinderbuch für Sie aus?

Constanze von Kitzing: Eine Geschichte, die spannend ist und Sinn macht. Passende Illustrationen, die noch eine andere Ebene erzählen oder in die Geschichte emotional eintauchen lassen. Ein Rezept gibt es nicht.

Leseliebe: Ihr Kinderbuch-Herzensthema ist „Vielfalt“. Hat das etwas damit zu tun, dass Sie mit fünf Geschwistern aufgewachsen sind?

Constanze von Kitzing: Das hat mehrere Faktoren. Einmal bin ich in einer Bahá’í-Familie aufgewachsen und eines der wichtigen Themen dieser Religion ist die Einheit der Menschheit, also Einheit in der Vielfalt und Wertschätzung jedes Einzelnen. Dann sind wir, als ich 10 Jahre alt war, von einem kuscheligen Dorf in einen quasi Ghetto-Stadtteil gezogen, wo ich dann eine komplett andere Umgebung hatte. Als Kind habe ich das aber gar nicht bewertet, sondern einfach so angenommen. Das finde ich im Nachhinein eine interessante Beobachtung. Daher ist für mich auch schlüssig, dass viele unserer Vorurteile anerzogen oder nachgeahmt sind. In meinen Büchern ist es mir daher sehr wichtig, die Welt möglichst ohne Bewertungen mit Kinderaugen zu zeigen. Und die (großen) Leser zu ermutigen ihre eigene Sichtweise zu hinterfragen, anstatt ungewollt durch Bücher weitere Klischees zu festigen.

Eine weitere Inspirationsquelle sind meine Kinder, halb persisch, halb deutsch. Sie wachsen mit einem ungewöhnlichen Nachnamen auf und sind auch etwas dunkler geraten als das deutsche Durchschnittskind. Da mache ich mir dann natürlich als Mutter so meine Gedanken, wie sie von außen gesehen und aufgenommen werden.

Leseliebe: In Ihrem wunderschönen Wendebuch über Vielfalt befasst sich eine Buchhälfte mit „Ich bin anders als du“ und die andere mit „Ich bin wie du“. Wie passen die beiden Sätze zusammen?

Constanze von Kitzing: Das Buch spielt ja mit Dingen, die vermeintlich anders oder gleich sind. Beim Umblättern wird man überrascht, dass man als erstes auf etwas anderes getippt hätte. Zum Beispiel sind da ein dunkles Mädchen und ein heller Junge. Klar, auf den ersten Blick hat man direkt zwei prägnante Unterschiede. Beim Umblättern erfährt man, dass die Kinder ihre größte Unterscheidung selbst aber darin sehen, dass der eine lieber Pizza und der andere lieber Nudeln isst. Die Aussage ist auf beiden Seiten: Wir unterscheiden uns ALLE voneinander und wir haben ALLE etwas mit anderen gemein. Somit ist es wichtig, andere so sein lassen zu können, wie sie sind, und auch sich selbst mit allen Eigenheiten anzunehmen.

Constanze von Kitzing Veranstaltung

Leseliebe: Was sind das wichtigste Anderssein und die schönste Gemeinsamkeit zwischen Ihnen und Ihren Geschwistern?

Constanze von Kitzing: Spannend finde ich an Kindern zu sehen, dass sie von Anfang an jeweils eine ganz eigene Persönlichkeit haben. Das ist bei uns nicht anders. Gemein haben wir, dass wir alle irgendwie zusammen halten, dass uns Werte und Weltoffenheit sehr wichtig und dass Kinder einfach wunderbar sind!!!

Leseliebe: Wie zeigen sich die beiden Sätze „Ich bin anders als du“ und „Wir sind gleich“ beim Lesen in Ihrem Zweifach-Mama-Alltag? Gibt es gemeinsame Lesezeiten mit Ihren Kindern oder lesen Sie jedem Kind einzeln vor? Und wer darf das Buch aussuchen?

Constanze von Kitzing: Mein Mann und ich finden es wichtig, dass Kinder lernen sich zu einigen und dabei auch mal Kompromisse einzugehen. Die beiden sind auch (noch) in einem Zimmer und müssen sich immer gemeinsam für ein Buch (oder einen Film) entscheiden. Wir lesen meist abends vor dem Einschlafen und planen dafür auch immer schön viel Zeit ein. Wir versuchen auch regelmäßige "Einzeldates" mit den Kindern einzuplanen, wo sie dann entscheiden dürfen, was man gemeinsam macht. Oft wird dann auch das Buch angeschleppt, auf das das andere Geschwister am Tag vorher keine Lust hatte.

Constanze von Kitzing Malen

Leseliebe: Was hat Vielfalt für Sie mit Vorurteilen zu tun und wie gehen Sie darauf mit Ihren Kinderbuch-Geschichten und -Bildern ein?

Constanze von Kitzing: Ich glaube, es ist ein Bedürfnis in Menschen, zu einer klar definierten Gruppe dazuzugehören, und dieses Gefühl entsteht stark im sich Abgrenzen oder andere Ausgrenzen. Wie man hierbei das Anderssein definiert, ist vollkommen willkürlich. An meinen Kindern merke ich, dass es sie ziemlich wenig interessiert, welche Hautfarbe ein Kind hat oder wie reich dessen Eltern sind. Es ist viel wichtiger, ob das Kind nett ist, ob man mit ihm oder ihr gut spielen kann, ob es auch teilt oder zu einem hält. Das finde ich so erfrischend zu beobachten und würde mir selbst oft mehr davon wünschen. In meinen Büchern versuche ich den Blick auf diese Offenheit und den Sinn für das Wesentliche zu lenken. Persönlich merke ich, dass es mir selbst leichter fällt auf andere zuzugehen und andere so zu akzeptieren, wie sie sind, wenn ich mit mir selbst im Reinen bin. Und wenn ich versuche mich bei Vorurteilen anderen gegenüber bewusst zu fragen, woher diese Gefühle kommen und was sie mit mir selbst zu tun haben.

Leseliebe: Welches Kinderbuch oder welche Lese-Situation hat in Ihrer eigenen Kindheit einen Eindruck hinterlassen, der bis heute nachwirkt und warum?

Constanze von Kitzing: Wir haben jeden Abend zu Hause eine Geschichte vorgelesen bekommen. Das war immer extrem gemütlich und hat uns alle zusammen gebracht. Für mich vielleicht das ultimative Sinnbild für Geborgenheit in einer sonst doch eher chaotischen und auf sich selbst gestellten Kindheit.

Leseliebe: Sie haben einen magischen Wunsch frei und dürfen drei Bücher bestimmen, die jedes Kind auf der Welt in seiner Kindheit liest. Abgesehen von Ihren eigenen, für welche Bücher entscheiden Sie sich?

Constanze von Kitzing:

  • Momo

  • Varenka

  • Der Tag an dem Louis gefressen wurde oder Malwine in der Badewanne

Aber da hört die Liste noch LANGE nicht auf! 

Leseliebe: Ergänzen Sie doch netterweise den folgenden Satz für uns: Leseliebe ist …

Constanze von Kitzing:

... ein Stück Glück!

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