Artikel: 6-10 Jahre 
 

Plötzlich Grundschulkind! Was ändert sich für die Familie?

Der Übergang von der Kita zur Grundschule hat es in sich – finde hier Tipps zum neuen Tagesablauf, gegen Schulstress & mehr! 

Wird aus dem Kindergartenkind ein Schulkind, ändert sich so einiges und zwar für die ganze Familie. Zum Beispiel müssen Kinder an der verbindlichen Grundschule pünktlich zur ersten Stunde im Klassenraum sein. Adieu, unverbindliches, flexibles Betreuungsangebot im Kindergarten. Auch die Urlaubsplanung ändert sich. Denn wegen der gesetzlichen Schulpflicht dürfen Familien mit Schulkind nur während der offiziellen Schulferien in den Urlaub fahren. Entsprechend früh solltest du Urlaubsanträge stellen und dich auf Hochsaisonpreise für den Familienurlaub gefasst machen. Rechne mit zusätzlichen Belastungen für die Familienkasse auch durch die Anschaffung diverser Arbeitshefte, Schreibhefte und Bücher in jedem Schuljahr, durch Ausflüge und Klassenreisen. Die stärksten Auswirkungen merkst du jedoch in deinem neuen Familienalltag mit Grundschulkind. Wir zeigen dir, was sich verändert und geben dir hilfreiche Tipps. Damit der Übergang von der Kita zur Grundschule neben all den Einschränkungen und Herausforderungen vor allem eines wird: ein riesiger und toller Schritt in der Entwicklung deines Kindes.

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Der neue Tagesablauf in der Grundschule

Schulkinder müssen pünktlich zum Unterricht in der Schule sein. Basta! Da spielt es keine Rolle, ob die Eltern im Schichtdienst arbeiten oder den Tag morgens lieber später beginnen. Kommt dein Kind immer wieder zu spät, drohen Verwarnungen bis hin zum Unterrichtsausschluss. Deswegen liegt für viele Familien die größte Herausforderung zunächst darin, die Morgenroutine entsprechend anzupassen. Doch worauf kommt es dabei an?

 

  • Jede Familie braucht unterschiedlich viel Zeit, um sich morgens fertigzumachen. Berücksichtige bei deiner individuellen Alltagsplanung, dass genug Zeit für die Morgenhygiene, das Anziehen, ein kleines Frühstück und den Schulweg ist. Dein Kind sollte schon im Tag angekommen und putzmunter sein, wenn es die Schule betritt. Wenn ihr morgens zu sehr in Stress kommt, solltet ihr in den sauren Apfel beißen, zeitiger zu Bett gehen und den Wecker früher stellen. Verschlafene Kinder bekommen nämlich nur wenig vom Unterricht mit und das sorgt dann für noch mehr Stress. Tipp: Um den Stress am Morgen zu reduzieren, packt den Schulranzen schon am Abend vorher fertig.  

  • Wie es sich für eine MorgenROUTINE gehört, achte auf einen möglichst immer gleichen Ablauf am Morgen. Das erleichtert es deinem Kind enorm, sich daran zu gewöhnen.  

  • Selbst wenn du selbst eigentlich noch gar nicht aufstehen müsstest, unterstütze dein Kind, indem du zusammen mit ihm aufstehst und dich um Frühstück und Pausenbrot kümmerst. 

  • Damit sich dein Kind von der ersten Stunde an gut konzentrieren kann, sollte das Frühstück leicht und nahrhaft sein und nicht wie ein Stein im Magen liegen. Ideal sind zum Beispiel Porridge oder ungesüßter Joghurt mit Obst. Auch das Schulbrot sollte dein Kind bei Konzentration und Stillsitzen unterstützen. Statt Naschi und Schoko-Croissants gib ihm daher lieber Vollkornbrot, Gemüse und Obst mit in die Schule und als Getränk Wasser oder ungesüßten Tee. Denn Achtung: Zucker steigert Energie und Konzentrationsfähigkeit nur kurz, danach lauert ein fieses Energietief.  

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Kinder loslassen lernen: kindliche Selbstwahrnehmung und Selbständigkeit in der Grundschule

Im Kindergarten sind die Eltern noch sehr eingebunden. Meist helfen sie beim An- und Ausziehen, bringen ihre Kinder in die Gruppe und ähnliches. Bei ihrem Schulkind sind sie plötzlich ein ganzes Stück weiter außen vor. Zwar begleiten viele Eltern ihre Kinder anfangs auf dem Schulweg und vielleicht sogar bis in den Klassenraum hinein. Doch schon bald werden die GrundschullehrerInnen dazu auffordern, dem Kind mehr Selbständigkeit zuzugestehen. Zudem entwickelt ein Grundschulkind eine ganz andere Selbstwahrnehmung als ein Kindergartenkind. Auf einmal empfindet es sich selbst als ‚groß‘ und präsentiert sich dann vielleicht auch weniger anschmiegsam und hilfsbedürftig. Unsere Tipps zum Thema Loslassen und Selbständigkeit:

 

  • Sich Sorgen machen ist normal und gäbe es eine Job-Beschreibung für Eltern, gehörte das definitiv hinein. Doch wer sein Kind zu einem selbständigen Menschen erziehen möchte, der Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten hat, muss lernen loszulassen. Das fängt beim Schulweg an. Statt dein Kind bis zur Klassentür zu bringen und dort auch wieder abzuholen, unterstütze es dabei, seinen Schulweg gemeinsam mit Klassenkameraden alleine zu bestreiten. Dann kannst auch du entspannen, denn in der Gruppe ist dein Kind sicher. Tipp: Wenn in deiner unmittelbaren Nachbarschaft niemand wohnt, der gemeinsam mit deinem Kind zur Schule geht oder fährt, gibt es vielleicht Treffpunkte, an denen sich Kinder für den gemeinsam Schulweg versammeln.  

  • Dein Kind verändert sich, wenn es in die Schule kommt. Es lernt endlich lesen, schreiben und rechnen und das fühlt sich ganz schön erwachsen an. Vielleicht will es seine neue Autonomie zur Schau stellen und betont deutlich, dass es dich nicht mehr so sehr braucht. Bereite dich darauf vor und mache dir bewusst, dass sich eure Eltern-Kind-Beziehung dadurch nicht auflöst, sondern nur ändert. Für Grundschüler sind ihre Eltern noch immer immens wichtig, also keine Panik. Tipp: Achte auf qualitativ wertvolle Zeit mit deinem Kind, gemeinsame Aktivitäten, Gespräche, kuschelige Vorlesezeiten – dann fällt das Umgestalten der Beziehung leichter.  

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Hausaufgaben, Klassenarbeiten, stillsitzen: neue Herausforderungen fürs Schulkind

Mit der Schule wachsen die Anforderungen an Kinder extrem: Plötzlich müssen sie im Unterricht konzentriert aufpassen und stillsitzen. Sie müssen Leistungen erbringen, die laufend bewertet werden und haben sogar nach der Schule noch schulische Verpflichtungen: die Hausaufgaben. Das kann Kinder sehr anstrengen. Manche Kinder kommen nach der Schule vollkommen erschöpft nach Hause und brauchen erst einmal eine längere Pause. Gehört dein Kind dazu? Dann gönn ihm diese Ruhezeit. Hier noch einige Tipps mehr für die Bewältigung der schulischen Herausforderung:

 

  • Unterstütze dein Kind vor allem in der ersten Zeit bei den Hausaufgaben. Sorge dabei für eine ruhige Atmosphäre, ohne laute Hintergrundgeräusche oder quengelnde Geschwister. Bleibe beim Zuhause-Lernen gelassen und sage deinem Kind Lösungen nicht vor. Wie am Morgen hilft auch beim Thema Hausaufgaben eine feste Routine. Konkrete Tipps zum Lesenlernen gibt außerdem Leseliebe-Expertin Dr. Miriam Stiehler. 

  • Achte darauf, dass dein Kind ausreichend schläft. Zu wenig Schlaf erschwert die Konzentration, macht hyperaktiv und reizt die Nerven. Vermeide dafür Bildschirm-Medien vor dem Schlafengehen und pflege feste Abendrituale. Unser Tipp: Vorlesen vor dem Schlafengehen und zwar die ganze Grundschulzeit über. Neben vielen anderen positiven Effekten spendet das deinem Kind Geborgenheit und gibt ihm Gelegenheit, sich eventuelle Belastungen von der Seele zu reden.  

  • Setze dein Kind durch hohe Leistungsanforderungen nicht zusätzlich unter Druck. Wichtig sind weniger die Noten, als dass dein Kind die Inhalte versteht und im Unterricht mitkommt. Siehst du hier irgendwo Probleme, kontaktiere die LehrerInnen und sprich ab, wie dein Kind optimal unterstützt werden kann.  

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Schulhof-Kontakte und Klassenkameraden: Sozialkompetenzen auf dem Prüfstand

Beim Übergang von der Kita zur Grundschule steigt die Menge an sozialen Kontakten von jetzt auf gleich gewaltig an. Gerade das Pausengetümmel mit wilden Viertklässlern kann für Schulanfänger dabei ziemlich erschreckend sein. Dazu kommen viele neue Gesichter in der Klasse und für dich neue Eltern. In dieser neuen Klassengemeinschaft muss dein Kind erst einmal seinen Platz finden. Das sorgt unter Umständen sogar für mehr Stress als das Lernen. Die Pausen werden zu den wichtigsten Zeiten im Schulalltag und das Behaupten und Schließen von Freundschaften zur obersten Priorität. Hier unsere Leseliebe-Tipps dazu:

 

  • Ermutige dein Kind, aufgeschlossen auf seine Klassenkameraden zuzugehen. Manche Grundschulfreundschaften halten ein Leben lang.  

  • Fühlt sich dein Kind im Klassenverband nicht wohl, spreche mit den KlassenlehrerInnen, um eine Lösung zu finden. Normalerweise haben die das Klassengeschehen aber auch von sich aus sehr gut im Blick und wirken eigenständig auf eine harmonische Klassengemeinschaft hin, zum Beispiel beim wöchentlichen Klassenrat oder durch gezielte pädagogische Maßnahmen 

  • Mache dich auf viele neue Einflüsse für dein Kind gefasst. Es wird sich stärker mit anderen Kindern vergleichen oder ein neues Vokabular mit nach Hause bringen. Andere Kinder dürfen dieses oder jenes, haben schon dies oder das. Das bedeutet für dich erhöhte Ansprüche an Gelassenheit und Konsequenz, insbesondere auch bei Streit mit deinem Grundschulkind 

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Tipps gegen Schulstress in der Grundschule

Psychologen warnen davor, dass Kinder heute immer mehr unter Schulstress leiden bis hin zu Depressionen, Verhaltensstörungen und Burnout. Oje! Deswegen ist es sinnvoll, gleich von Anfang an den Schulstress in Grenzen zu halten. Diese Tipps zur Stressbewältigung in der Grundschule können helfen: 

 

  • Halte dich an feste Routinen (zum Beispiel morgens, bei den Hausaufgaben, zum Schlafengehen). Denn ein fester Tagesablauf schenkt Stabilität und Sicherheit. Und ausreichend Schlaf fördert Gelassenheit und starke Nerven.  

  • Schränke die Menge an Freizeitaktivitäten ein. Dein Kind muss auch Leerlauf haben, um runterfahren und entspannen zu können. Langeweile fördert außerdem die Kreativität. 

  • Gewähre deinem Kind trotz digitalem Zeitalter keinen freien, unkontrollierten Zugang zu Smartphone & Co., nur weil alle anderen das so machen. Chatten, posten, simsen kann schnell in puren Stress ausarten und sich ohne entsprechende Medienkompetenz negativ auf Konzentrationsfähigkeit und psychisches Wohlbefinden auswirken.  

  • Habe ein Auge auf die Schulunterlagen deines Kindes, schaue jeden Tag in die Postmappe und unterstütze es dabei, immer auf dem laufenden Stand zu sein.  

  • Bewegung an der frischen Luft baut nachweislich Stress ab. Statt Spielekonsole, Fernsehen & Co., geht für eine halbe Stunde in den Wald, in den Park oder ähnliches.  

  • Achte darauf, dass dein Kind vor Klassenarbeiten rechtzeitig mit dem Lernen beginnen. Rechtzeitig bedeutet in der Grundschule mindestens eine, besser zwei Wochen vorher. 

  • Belohne Erfolge, statt Misserfolge zu bestrafen. Motivation funktioniert nämlich deutlich besser als jede Drohung und ist Balsam für die Kinderseele. Gegen Schulstress hilft auch das Wissen, unabhängig vom schulischen Erfolg geliebt zu werden 

  • Sinnvoll für die Stressbewältigung sind außerdem Gespräche und das Lesen hilfreicher Bücher. Dazu zählen genauso Sachbücher (z.B. Das Anti-Mobbing-Buch) wie Geschichten aus dem Schulalltag, die kindliche Probleme erst nehmen (z.B. Die Schule der magischen Tiere, Ben, Pembo oder Conni-Bücher für Grundschulkinder). 

Was fällt euch im Übergang von Kita zur Grundschule besonders schwer? Wie geht ihr damit um? Kennst du vielleicht ein Kinderbuch, in denen sich die Helden mit den gleichen Schwierigkeiten herumschlagen? Oder möchtest du hier noch Tipps für den Übergang vom Kindergarten zur Schule ergänzen? Schreib uns einen Kommentar! 

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