Artikel: 6-10 Jahre 
 

Einschulung: Hurra, endlich Lesen lernen!

Schulstart heißt Lesestart. Wir verraten dir, was beim Lesenlernen in der ersten Klasse passiert und wie du unterstützen kannst.

Lesenlernen ist toll. Plötzlich ergeben die Geheimzeichen überall einen Sinn und das magische Selber-Geschichten-lesen-und-darin-Versinken rückt in greifbare Nähe. Als Schlüsselkompetenz bietet das Lesen aber noch viel mehr als nur Fantasiereisen: Es ist die Grundlage für schulischen Erfolg und gute Chancen am Arbeitsmarkt, für eine aktive Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben und den kritischen und selbständigen Umgang mit Medien. Das Lesenlernen ist also toll UND wichtig und steht deswegen gleich zum Schulanfang auf dem Lehrplan. Dabei sind die Vorkenntnisse der ABC Schützen zur Einschulung jedoch sehr unterschiedlich. Manche Kinder können bereits lesen, andere kennen nur einzelne Buchstaben und wieder andere starten komplett ohne Vorwissen. Zum Ende der zweiten Klasse sollen diese starken Unterschiede angeglichen sein, sodass dann alle Kinder flüssig und sinnverstehend lesen können. Bis dahin geht es um eine Balance des Forderns und Förderns und die Aufrechterhaltung der Motivation. Denn das Lesenlernen hat es in sich.

Wie lernt ein Kind lesen?

Einschulung: Hurra, endlich Lesen lernen!

Das Lesenlernen ist ein komplexer Prozess verschiedener Phasen. Zuallererst geht es darum, Zeichen und Schriftzüge wiederzuerkennen (logographische Phase). Als nächstes müssen die Buchstaben Lauten zugeordnet werden (alphabetische Phase). Und abschließend steht das Erfassen von Wortbedeutungen und das sinnmäßige Verstehen von Texten an (orthographische Phase). Dementsprechend lernen Erstklässler erst einmal, wie die einzelnen Buchstaben des Alphabets aussehen und welche Laute zu ihnen gehören. Vom einzelnen Buchstaben führt der Weg dann schrittweise zu größeren Einheiten: zu Lauteinheiten und Silben, ganzen Wörtern und schließlich Sätzen. Um Sinneinheiten erfassen zu können, müssen dann zwischen den einzelnen Wörtern und Sätzen Bezüge hergestellt werden. Am Ende erschließt sich dein Kind auf diese Weise einen ganzen Text selbständig. Voilà: Es kann lesen. All das erfordert am Anfang stets ein bewusstes (anstrengendes) Verknüpfen der drei Phasen. Später läuft das Lesen als unbewusster Prozess ab und wenn es fleißig geübt wird sogar komplett anstrengungsfrei.

Welche Methoden zum Lesenlernen gibt es in der Schule?

Allgemeine Vorgaben zum Lesenlernen an der Schule gibt es nicht, dafür viele verschiedene Methoden. Die einen lernen mit einer Fibel das Lesen, die anderen über das Schreiben. Auch Anlauttabellen spielen heute eine wichtige Rolle. Welche Methode in der Klasse deines Kindes gewählt wird, kann von vielen Faktoren abhängig, zum Beispiel davon in welchem Einzugsgebiet die Schule liegt, wie hoch der Anteil an Kindern mit „Deutsch als Zweitsprache“ ist und von welcher Lehrmethode die Lehrer überzeugt sind. Sogenannte „offene Methoden“ wie das „Lesen durch Schreiben“ lassen Kindern viel Freiheit beim Erlernen der Schriftsprache. „Strukturierte Methoden“ wie die analytisch-synthetische oder die silbenanalytische Methode geben den Lernprozess vor.

Einschulung: Hurra, endlich Lesen lernen!

 

  • Die analytisch-synthetische Methode vermittelt das Lesen mit Fibeln und Lehrmaterialien nach einer systematischen Reihenfolge. Zunächst lernen die Kinder die Buchstaben, die am häufigsten in der Sprache vorkommen. Meist fängt es mit den Vokalen a, i, o und den Konsonanten n und m an. Dann geht es um das Zerlegen von Wörtern in ihre einzelnen Buchstaben-Bausteine (Analyse) und das Zusammenziehen der Buchstaben zu Wörtern (Synthese). Dazu sollen die Kinder die einzelnen Elemente über die Augen und die Ohren erfassen. Sie sagen die Laute gemeinsam mit der Lehrkraft oder sprechen sie ihr nach, nutzen eventuell Buchstabenkarten und schreiben Buchstaben mit dem Finger. Bilder unterstützen die Kinder zusätzlich bei der Erschließung von Wortbedeutungen. Oft gibt es begleitend zur Fibel auch drollige Handpuppen, die die Kinder beim Lesenlernen spielerisch ansprechen und motivieren sollen.
  • Die silbenanalytische Methode rückt die Verbindung von Buchstaben innerhalb einer Silbe in den Mittelpunkt. Dafür gibt es Häusermodelle, die verschiedene Silbentypen optisch darstellen und den Aufbau von Silben und Wörtern vermitteln. Diese Methode hilft besonders beim Lernen der Rechtschreibregeln. Viele Erstlesebücher nutzen die Silben-Methode, um das erste Lesen zu erleichtern. Einzelne Silben sind dann unterschiedlich gefärbt.
  • Die Methode Lesen durch Schreiben verwendet ein sogenanntes Buchstabenhaus (Anlauttabelle). Über Bildsymbole erschließen sich die Kinder selbstständig die entsprechenden Zeichen der Anlaute und setzen diese beim Schreiben zu Worten zusammen. Das Lesen lernen sie dabei alleine durch das Schreiben. Die Reihenfolge der zu lernenden Buchstaben ist hier frei dem Kind überlassen und folgt seinem individuellen Ausdrucksbedürfnis. Begleitende Übungen im Unterricht widmen sich dann zum Beispiel den Silben, dem Hören und der Wortschatzerweiterung.

Was ist eine Anlauttabelle?

In mehr oder weniger starker Ausprägung kommt die Anlauttabelle heute fast überall zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine Tabelle, in der Buchstaben zusammen mit eindeutigen Abbildungen aufgeführt werden. Oft hängt so eine Tabelle als großes Poster im Klassenraum. Der Buchstabe entspricht dann jeweils dem Anlaut des dargestellten Objektes. Zum Beispiel steht das A / a bei dem Bild von einem Apfel oder einer Ameise und das B / b dei dem Bild von einem Ball oder einem Baum. Mit Hilfe der Anlauttabelle setzen sich die Schulanfänger intensiv mit der Beziehung zwischen Buchstaben und Lauten und so dem Kern der deutschen Schrift auseinander. Neuere Versionen der Anlauttabelle enthalten übrigens auch Diphthonge wie zum Beispiel au, ei und eu und zum Teil sogar Endlaute wie -ng oder -ch.

 

Leseanfänger unterstützen: Tipps zum Lesenlernen

Selberlesen_Mutter_Kind

Die erste Hilfe beim Lesenlernen schaffst du schon früh, indem du deinem Kind viel vorliest und das Lesen in den Alltag der Familie integrierst. Denn lesende Eltern sorgen für eine hohe Motivation bei den kleinen ABC Schützen und dafür, dass das Lesen als positiv wahrgenommen wird. Durch das Vorlesen sind Buchstaben bereits vertraut und dein Kind weiß, dass sich hinter den Schriftzeichen ein Schatz an Geschichten und Wissen verbirgt. Wenn das Lesen in der Familie bisher nicht allzu präsent war, kannst du jederzeit damit anfangen. Eine gute Regel ist, alle elektronischen Medien erst nach dem Lesen zu erlauben. Zieht ihr dabei alle an einem Strang und setzt euch dazu gemeinsam aufs Sofa, kann das statt nerviger Übung sogar zur Lieblingszeit des Tages werden. Professionelle Tipps zum Lesenlernen findest du auch in unserem Interview mit Leseliebe-Expertin Dr. Miriam Stiehler. Leseliebe empfiehlt außerdem:

 

  • Viel loben. Lob motiviert und weil das Lesenlernen anstrengend ist, hat sich dein Kind jede Leseübung das Lob redlich verdient. Reagiere auch schon bei kleinen Fortschritten anerkennend und verteile bei größeren Fortschritten gerne Sticker, Häkchen oder selbst gebastelte Urkunden.  

  • Nicht schimpfen. Fehler sind normal und Erstklässler machen beim Lesenlernen in der Regel eine ganze Menge davon. Korrigiere die Fehler freundlich und gelassen, damit dein Kind nicht jede Lust am Lesenlernen verliert. Besonders toll ist es, wenn dein Kind einen Fehler selbständig erkennt. Auch dann gilt: Loben motiviert. 

  • Eine ruhige Atmosphäre schaffen. Sorge beim Lesen für eine ruhige Umgebung ohne Ablenkung. Schalte elektronische Geräte aus und sorge dafür, dass jüngere Geschwister in der Lesezeit nicht stören.  

  • Lesehilfen verwenden. Wenn dein Kind leicht den Faden verliert, helfen ihm Lesehilfen wie ein Lineal oder ein selbst gebastelter Lesepfeil dabei, die richtige Stelle stets im Blick zu behalten 

  • Gemeinsam lesen. Erst ich ein Stück, dann du … so lesen viele Kinder gleich viel lieber. Empfehlenswert ist dabei, wenn dein Kind kurze und du lange Passagen liest.  

  • Passende Bücher auswählen. Für Leseanfänger gibt es eine riesige Auswahl Erstlesebücher mit extra großer Schrift, vielen Bildern und anderen Merkmalen, die das Lesenlernen erleichtern. Inhaltlich kommen witzige oder spannende Kinderbücher in der Grundschulzeit oft besonders gut an oder Bücher, die thematisch zu den Interessen deines Kindes passen. 

  • Regelmäßige Lesezeiten einrichten. Dabei gilt: Lieber kurz und regelmäßig lesen als selten und viel auf einmal. Täglich 10-15 Minuten zu lesen reicht.  

  • Für viel Kontakt mit Büchern sorgen. Fördere das Interesse an Büchern durch möglichst viele verschiedene Buch-Begegnungen. Besuche mit deinem Kind zum Beispiel Buchflohmärkte, Bücherhallen, Antiquariate, Kinderbuchhandlungen, Comicläden oder Lesungen. 

Wie förderst du das Lesenlernen bei deinem Kind? Tut sich dein Kind mit dem Lesenlernen schwer oder fliegt es ihm zu? Welche Methode wird bei deinem Kind zum Lesenlernen unterrichtet? Gibt es ein Erstlesebuch, das deinem Kind besonders gefallen hat? Schreib uns einen Kommentar! 

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