Artikel: Vorlesetipps

Vorlesen in der Grundschulzeit

Warum sollte man einem Grundschulkind vorlesen? Welche Vorlesebücher ab 6 gibt es? Wie können Kinder das Vorlesen üben?

Vom lauten Lesen einer Spielanleitung über das Vorlesen einer Textaufgabe bis hin zum Vorlesen einer Geschichte: Vorlesesituationen gibt es viele. Unter denen ist das Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte zum Schlafengehen ein echter Wohlfühl-Klassiker. Und es lohnt sich, an diesem schönen Familienritual möglichst lange festzuhalten. Denn selbst wenn die Kinder schon längst selbst lesen können, hat das Vorlesen noch viele positive Effekte. Und irgendwann hat dein Kind dann ja vielleicht auch Lust, selbst vorzulesen: jüngeren Geschwistern, Kuschel- und Haustieren oder in der Grundschule. Das kann viel Spaß machen. Genauso kann ein Vorlesen vor der ganzen Klasse aber auch für kräftiges Lampenfieber sorgen. Wir geben dir hilfreiche Tipps, mit denen dein Kind das Vorlesen üben und die Angst vorm Vorlesen ablegen kann. Du erfährst, welche Vorlesebücher ab 6 Jahren besonders geeignet sind und wie dein Kind davon profitiert, wenn ihm auch in der Grundschule noch vorgelesen wird. Lies rein!

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Leseförderung durch Vorlesen

Wie fördert Vorlesen das Lesenlernen?

Es gibt viele gute Gründe, warum Vorlesen wichtig ist. Einer davon liegt uns bei Leseliebe ganz besonders am Herzen: die Leseförderung. Durch regelmäßiges Vorlesen bauen Kinder eine positive und vertraute Beziehung zum Medium Buch auf. Sie erfahren, dass das Lesen ihnen einen Zugang zu spannenden, lustigen, fantastischen, stärkenden oder berührenden Abenteuern bietet. Das macht neugierig und motiviert, sich diese Kompetenz selbst anzueignen. Zudem erlebt ein Kind beim Vorlesen seine Eltern oder andere Bezugspersonen als lesende Vorbilder. Auch das unterstützt die Lesemotivation. Darüber hinaus vermittelt Vorlesen eine wichtige Vorbildung für das Lesenlernen. Es fördert den Wortschatz, das Gefühl für Satzbau und das Sprachverständnis. Und indem dein Kind durch das Mit-ins-Buch-Gucken Sprache gleichzeitig hören und sehen kann, bildet Vorlesen auch eine erste Brücke von mündlicher zu schriftlicher Sprache. Das fördert ein grundlegendes Verständnis für die Funktion von Schrift und macht dein Kind mit dem Anblick von Buchstaben, Wörtern und auch langen Textabschnitten vertraut. Perfekte Voraussetzungen für den Lesestart! 

Studien wie der jährliche Vorlesemonitor von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung zeigen: Vorlesen fördert einerseits die Lust aufs Lesenlernen und macht es zum anderen leichter, diese wichtige Schlüsselqualifikation zu lernen. Dadurch verbessert regelmäßiges Vorlesen die schulischen Leistungen – in allen Fächern.

Was bringt das Vorlesen in der Grundschulzeit?

Lesenlernen ist mühsam. Es dauert, bis alle Buchstaben gelernt sind. Noch länger dauert es, sie flüssig zu Wörtern zusammenzusetzen und beim Lesen gleich ihren Sinn zu verstehen. Erste Texte zum Selberlesen sind daher meist sehr simpel und bestehen aus einfachen Wörtern, kurzen Sätzen und einer sehr überschaubaren Textmenge. Die Geschichten, die auf diese Weise erzählt werden können, hinken jedoch weit hinter der geistigen Vorstellungskraft von Kindern in der ersten Klasse hinterher. Denn in diesem Alter können Kinder meist schon langen und komplexen Geschichten folgen, haben einen umfangreichen Wortschatz und stecken voller Fantasie. Deswegen ist es sinnvoll, die Leselernübungen deines Kindes mit der Magie grandioser Vorlese-Abenteuer zu ergänzen. Das macht deinem Kind immer wieder bewusst, wohin all die Leselern-Anstrengung am Ende führt, und hält so die Motivation aufrecht. Zusätzlich bietet die Vorlesezeit einem Grundschulkind eine Insel der Geborgenheit und Aufmerksamkeit im Alltag. Bei all dem Stress, der schon im Grundschulalter aufkommen kann, bietet das einen wertvollen Anker und öffnet einen Raum, um ins Gespräch zu kommen oder das Herz auszuschütten.

Vorlesebücher ab 6 Jahren

Welche Vorlesebücher ab 6 Jahren sind empfehlenswert?

Empfehlenswert sind grundsätzlich alle Bücher mit einer entsprechenden Altersempfehlung, die deinem Kind gefallen. Berücksichtige dafür die persönlichen Interessen und das Naturell deines Kindes. Was ist deinem Kind bei einer Geschichte wichtig? Muss sie lustig oder spannend sein, realistisch oder fantastisch? Mag dein Kind verträumte oder tiefgründige Erzählungen oder doch lieber faszinierendes Sachwissen? Wovon soll das Buch handeln? Beliebte Kinderbuch-Themen im Grundschulalter sind zum Beispiel Abenteuer, Freundschaft, Tiere, Magie, Sport und lebensnahe Alltagssituationen, in denen sich Kinder selbst wiedererkennen können. Dazu gehört, dass die Hauptfiguren ungefähr im Alter deines Kindes sind und als sympathisch empfunden werden. Für Kinder, die beim Vorlesen mit ins Buch gucken, sind auch die Illustrationen wichtig. Bilder, die sich dein Kind gerne anschaut, tragen erheblich zum Vorleseerfolg bei. Vielleicht kennst du noch ein Buch aus deiner eigenen Kindheit, das deinem Kind gefallen könnte? Dann probiert es doch einfach mal aus. Oder ihr stöbert gemeinsam durch unsere Buchtipps für Vorlesebücher ab 6 Jahren. Dort findet ihr zu jedem Buch ausführliche Beschreibungen, durch die ihr gut abschätzen könnte, ob es passt. 

Tipp: Falls ihr das Buch schon gemeinsam lesen wollt, zum Beispiel nach der Erst-ich-ein-Stück-dann-du-Methode, achte darauf, dass Schriftgröße, Zeilenabstand und Wortschatz dein Kind nicht überfordern. Schau dafür gerne mal in unsere Buch-Empfehlungen für Erstlesebücher.

Warum ist Vorlesen wichtig für Kinder in der Grundschule

Wann und wie liest man einem Grundschulkind am besten vor?

Besonders einfach wird das Vorlesen in den Alltag integriert, wenn ihr ein festes Ritual daraus macht. Dafür sollte es immer ungefähr zur gleichen Zeit und auf die gleiche Weise stattfinden. Das kann zum Beispiel das klassische Vorlesen vor dem Schlafengehen sein. Falls das Selberlesen dein Kind noch sehr anstrengt oder stresst, beschränke dich dabei auf das reine oder dialogische Vorlesen, Möchte dein Kind dennoch mit in das Buch schauen? Dann ist es hilfreich, deinem Lesefluss mit dem Zeigefinger oder einem Leselineal [Link] zu folgen. Lest so lange, wie ihr mögt. 20 bis 30 Minuten oder länger sind im Grundschulalter ein guter Richtwert. Achte beim Vorlesen am Abend zudem darauf, nicht mit einem aufregenden Cliffhanger zu enden, sondern einen runden Abschluss zu finden.

Aktiver kannst du das Vorlesen zu einer anderen Tageszeit gestalten, zum Beispiel am Nachmittag im Anschluss an die Hausaufgaben. Macht es euch gemeinsam gemütlich und lest in eurem Buch der Wahl. Lautmalerei und Betonung beim Vorlesen unterstützen dabei die sogenannte phonologische Bewusstheit, also die Fähigkeit Laute zu erkennen und zu unterschieden. Und das hilft deinem Kind wiederum beim Lesenlernen. Wenn ihr abwechselnd lest (erst ich ein Stück, dann du), wird aus der Vorlesezeit gleichzeitig eine sanfte Leseübung. Besonders spielerisch-spaßig ist es, wenn ihr daraus ein Rollenspiel-Lesen macht. Dafür übernimmt jeder, jede von euch eine Rolle in dem Buch und liest sie mit passend verstellter Stimme vor. 

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Dialogisches Vorlesen und andere Vorlesetipps

Wie gelingt betontes Lesen in der Grundschule?

Um beim Zuhören den Sinn eines Textes zu verstehen und um Spaß am Zuhören zu haben, ist die richtige Betonung beim Vorlesen wichtig. Das gilt beim Vorlesen zuhause genauso wie beim lauten Lesen in der Grundschule. Ob und in welchem Rahmen das laute Lesen in der Klasse durchgeführt wird, hängt von der jeweiligen Schule und Lehrkraft ab. Bei einer Buchvorstellung kann es zum Beispiel sein, dass dein Kind eine beispielhafte Textstelle vor der ganzen Klasse vorlesen soll. Bei verschiedenen Lautleseverfahren zur Verbesserung der Leseflüssigkeit wird stattdessen meist in Zweierteams geübt. Einige grundsätzliche Regeln geben eine gute Orientierung, wie betontes Lesen gelingt: 

Das Sprechtempo sollte nicht zu schnell sein. Langsam geht flüssiges Lesen leichter. Zudem vermeidet man Versprecher und wird besser verstanden. Der Tipp professioneller Sprecher*innen ist daher oft: Langsam und noch langsamer. 

Auch eine deutliche Aussprache erleichtert das Verständnis bei denjenigen, die zuhören. Nutze dafür alle „Werkzeuge“, die dir fürs Sprechen mitgegeben sind: Mund, Lippen, Zunge, Zähne. Ein tolles und dazu noch sehr spaßiges Training für eine deutliche Aussprache sind Zungenbrecher

Sprechpausen machen das Vorlesen weniger monoton und helfen dabei, den Sinn zu verstehen. Das gelingt ganz einfach mit Minipausen nach Satzzeichen wie Punkt, Komma oder Doppelpunkt. Auch vor Konjunktionen, die Haupt- und Nebensätze miteinander verbinden (zum Beispiel „und“, „oder“, „aber“) machen solche Minipausen Sinn. 

Beispiel: Der Ball ist kaputt. [Pause] Aber morgen kaufen wir einen neuen. 

Wenn der Vorlesetext bekannt oder die Lesekompetenz bereits so hoch ist, dass der Sinn direkt erfasst werden kann, sind kleine Pausen vor wichtigen Aussagen oder Fragen super. Sie erhöhen die Aufmerksamkeit und betonen das, was auf die Pause folgt. Dafür kann die Minipause nach einem Satzzeichen auch verlagert werden. 

Beispiel: Der Ball ist kaputt. Aber [Pause] morgen kaufen wir einen neuen. 

Große Pausen werden nach Sinn-Absätzen gemacht. Einmal entspannt ausatmen, vielleicht einmal hochschauen und Blickkontakt zu denjenigen aufnehmen, die zuhören, dann geht es weiter.

Betontes Lesen üben in der Grundschule

Der passende Tonfall verhindert, dass es eintönig klingt und vermittelt die richtige Bedeutung. Grundsätzlich gilt: Bei einem Punkt wird die Stimme leicht abgesenkt, bei einem Fragezeichen geht sie etwas nach oben. Steht ein Ausrufezeichen da, wird die Stimme kräftiger. Dazu prägt der Tonfall aber auch die Stimmung des Textes. Welcher Tonfall passt zum Inhalt? Ein trauriger oder fröhlicher, ein wütender oder bittender? 

Einzelne Betonungen bestimmen, wie der Satz verstanden wird. Dazu spricht man das entsprechende Wort etwas deutlicher, langsamer und lauter aus als die restlichen Worte. Man hebt es also beim Sprechen hervor und lenkt damit die Satzbedeutung genau auf dieses Wort. Damit du Betonungen sinnvoll einsetzen kannst, musst du den Text jedoch wie für die kleinen Pausen entweder gut kennen oder beim Lesen mit den Augen vorauseilen können.

So kann dein Kind das Vorlesen üben!

Zungenbrecher üben 

Den Text zunächst still für sich, dann mehrmals laut lesen

 Schwierige Worte und Stolperstellen extra üben 

Sich selbst aufnehmen und anhören 

Einem Probe-Publikum (Kuscheltier, Geschwister, Eltern) vorlesen 
Tipp: Haustiere sind oft besonders geduldige und für Kinder motivierende Zuhörer 

Gemeinsam mit dir Echolesen: Du liest einen Satz oder eine Passage betont vor, dann wiederholt dein Kind die Textstelle 

Gedichte aufsagen – das bringt besonders viel Spaß im Chor

Was hilft bei Angst vor dem Vorlesen

Was tun bei Angst vor dem Vorlesen?

Lampenfieber kann sich auf ganz verschiedene Arten äußern. Plötzlich spricht man so leise, dass einen niemand versteht. Man muss dringend auf Toilette, einem wird übel oder man verhaspelt sich bei jedem Wort. Grund dafür ist in der Regel die Sorge, nicht gut genug zu sein oder von anderen ausgelacht zu werden. Man hat einfach zu wenig Vertrauen in sich und die Situation. Deswegen helfen bei Angst vorm Vorlesen Übungen fürs Selbstbewusstsein, motivierende Mutmachkarten und viel Lob und Unterstützung bei den Vorleseübungen. Ebenso kann es hilfreich sein, sich vorab gemeinsam zu überlegen, was theoretisch alles schiefgehen könnte und wie man darauf am besten reagiert. Zum Beispiel: 

Was machst du, wenn andere Kinder bei deinem Vortrag stören, kichern, tuscheln? 
– Innerlich mit den Schultern zucken und meine ganze Aufmerksamkeit auf den super geübten Vorlesevortrag richten! 

Was machst du, wenn du dich versprichst? 
– Kurz lächeln, mich entschuldigen, den Satz noch einmal von vorne beginnen! 

Ein paar haarsträubende Übertreibungen dabei, bauen zusätzlich Spannung ab. Zum Beispiel: Was machst du, wenn die Tiere aus dem Zoo ausbrechen und mitten in deinem Vortrag auf einmal ein Löwe und drei Zebras in den Klassenraum kommen? Und wenn es dann so weit ist, können einige lange Atemzüge, bei denen dein Kind deutlich länger aus- als einatmet, den Stress direkt vor dem Vortrag senken. Wir wünschen viel Erfolg!

Liest du gerne vor? Worauf achtest du bei der Auswahl von Vorlesegeschichten? Was ist mit deinem Kind? Liest es selbst auch gerne vor? Schreib uns einen Kommentar!

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