Kinder ab 8 Jahren haben in der Schule schon einiges an Lesetraining absolviert, sodass sie sich nun meist schon selbst ganze Bücher erschließen können. 8-Jährige, die noch ein wenig Übung brauchen, lesen Erstlesebücher der Lesestufe 3 mit größerer Schrift, Bildern und einer nicht allzu langen Geschichte. Kinder, die schon flüssig und schnell lesen, stürzen sich stattdessen häufig auf Buchreihen wie „Die Schule der magischen Tiere“, „Ponyherz“ oder „Bitte nicht öffnen“ mit kleinerer Schrift, weniger Bildern und einer von Band zu Band fortlaufenden Geschichte. Da die Empathiefähigkeit in diesem Alter zunimmt, fühlen sich 8-Jährige intensiv in die Kinderbuchfiguren ein und erleben erstmals das wunderbare Gefühl, beim eigenen Lesen vollkommen im Buchuniversum zu versinken.
Rund um das neunte Lebensjahr geschieht dann in der kindlichen Entwicklung etwas, das sich die „Überwindung des Egozentrismus“ nennt. Das heißt, dass Kinder ab 9 Jahren interessieren sich zunehmend für Dinge und Ereignisse, die sie selbst weder gesehen noch erlebt haben. Der Horizont weitet sich und Kinder finden sich auch in fiktiven Situationen gut zurecht. Fantasy-Bücher können jetzt auch in vollkommen fremden Welten spielen. Oder es kann im Kinderbuch politisch, abenteuerlich-aufregend, berührend-emotional, gruselig-spannend oder philosophisch werden.
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